Wer darf Säule-3a-Einkäufe leisten?

Säule-3a-Einkäufe (auch Nachkauf oder Wiedereinkauf genannt) sind eine Sonderform der 3a-Einzahlung: Du überweist nicht «einen Jahresbeitrag», sondern eine grössere Einmal-Summe, die auf mehrere zurückliegende Jahre aufgeteilt wird. Voraussetzung dafür ist, dass in diesen zurückliegenden Jahren nicht der volle Maximalbeitrag geleistet wurde — typisch nach Jobwechsel, Studium, längerer Auszeit oder lange Teilzeit.

Wer in der Schweiz überhaupt in die Säule 3a einzahlen darf, kann grundsätzlich auch Einkäufe leisten — die Unterscheidung liegt in den Obergrenzen und den Stiftungsreglementen:

💡 Drei Stiftungen im Praxis-Test

VIAC und finpension akzeptieren Einkäufe in der Regel sofort nach Kontoeröffnung — auch ohne Vorjahres-Beiträge. Frankly verlangt eine Mindest-Beitragsdauer von einem Jahr, bevor ein Einkauf akzeptiert wird. Versicherungs-Stiftungen (Liberty, klassische Versicherer) sind am strengsten und brauchen oft einen schriftlichen Einkaufsantrag plus Vorsorgeausweis.

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Faustregel: Du kannst in der Säule 3a alles nachzahlen, was du in den vergangenen Jahren nicht an das Maximum geleistet hast — bis zu deinem heutigen Einkommen und der Anzahl möglichen Beitragsjahre seit BVG-Eintritt. Aber: jedes nachgezahlte Jahr unterliegt der 3-Jahres-Vorbezug-Sperre von Art. 79b BVG.

Wie wird das Nachkauf-Maximum berechnet?

Die Berechnung des Nachkauf-Maximums ist eigentlich einfach — die Realität wird kompliziert durch die Frage, welche Beitragsjahre als «bereits geleistet» zählen und welches Einkommen für die Berechnung massgeblich ist.

Die Standardformel lautet:

Formel: Nachkauf-Maximum
Beitragsjahre seit BVG-Eintritt z.B. 10 Jahre
Minus bereits geleistete Beitragsjahre z.B. 7 Jahre
Fehlende Jahre 3 Jahre
Aktueller Maximalbeitrag pro Jahr CHF 7'258 (2026)
Nachkaufspotenzial CHF 21'774

Konkret heisst das: Wer mit 25 ins Berufsleben eingestiegen ist und heute 35 ist, hat 10 potenzielle Beitragsjahre. Wenn er in 7 davon eingezahlt hat (3 Jahre Teilzeit oder Jobwechsel-Lücke), sind bis zu 3 × CHF 7'258 = CHF 21'774 nachkaufbar — alles in einem Jahr oder über mehrere Jahre verteilt.

Für die Praxis: Die genauen Werte hängen vom Eintrittsalter, vom Erwerbseinkommen und vom BVG-Status ab. Die folgende Tabelle zeigt eine indikative Übersicht für Angestellte ohne 2. Säule bei einem konkreten Lohn:

Heutiges Alter Beitragsjahre seit Eintritt Bereits eingezahlt Nachkaufspotenzial
35 Jahre 10 Jahre 5 Jahre 5 × CHF 7'258 = CHF 36'290
45 Jahre 20 Jahre 15 Jahre 5 × CHF 7'258 = CHF 36'290
55 Jahre 30 Jahre 25 Jahre 5 × CHF 7'258 = CHF 36'290
⚠️
BVG-Eintrittsschwelle 2026: Der Stichtag für die Nachkauf-Berechnung ist das Jahr, in dem du das BVG-Eintrittsalter (Erreichen der Lohnschwelle von CHF 22'050) erstmals überschritten hast. Wer vorher schon 3a eingezahlt hat (ohne 2. Säule), kann den vollen Maximalbeitrag pro Jahr als Einkauf deklarieren.

Genauer und verbindlich ist das konkrete Nachkaufspotenzial immer auf dem Vorsorgeausweis der 3a-Stiftung aufgeführt. Das ist die offizielle Bestätigung, die du für die ESTV im Steuererklärungsjahr brauchst — und die du auch der Bank zur Überweisung vorlegst.

Einkaufsplan-Overlay mit der Steuer-Staffelung

Wer Säule-3a-Einkäufe in einen grösseren Vorsorge-Plan einbettet, sollte die Einkäufe nicht isoliert betrachten — sondern als eine Schicht im dreistufigen Vorsorge-Optimierungs-Plan. Die übliche Reihenfolge ist:

  1. PK-Einkauf in der Pensionskasse (Säule 2) prüfen. Der Vorsorgeausweis der Pensionskasse zeigt die maximale Einkaufssumme. PK-Einkäufe sind steuerlich oft noch effizienter als 3a-Einkäufe, weil sie die Progression tiefer brechen und die Koordinationsabzüge dauerhaft reduzieren. Faustregel: PK-Einkauf zuerst, sofern deine PK Einkäufe akzeptiert.
  2. Säule-3a-Volleinlage pro Jahr sicherstellen. Auch wenn du Einkäufe planst, solltest du pro Jahr immer das 3a-Maximum in eine oder mehrere Stiftungen einzahlen — am besten in mehrere Konten verteilt (VIAC + finpension + ggf. Liberty). Diese jährliche Volleinlage ist Voraussetzung für jede spätere Staffelung beim Bezug.
  3. Wiedereinkauf / Nachkauf in die Säule 3a leisten. Wenn nach PK-Einkauf und Volleinlage noch Budget für Steuerersparnis da ist und du in den Vorjahren weniger als das Maximum geleistet hast, planst du den Einkauf. Verteilen auf mehrere Jahre ist oft sinnvoll — eine grosse Einmal-Summe in einem Jahr löst die 3-Jahres-Vorbezug-Sperre aus.
📌 Faustregel für die Reihenfolge

PK-Einkauf → 3a-Volleinlage → 3a-Nachkauf. Wenn die kantonale Steuerverwaltung sehr grosse kombinierte Beiträge (PK + 3a) als «nicht plausibel» einstuft, kann eine Sonderbehandlung folgen — vorgängige Rücksprache mit dem Steueramt oder einer Fachperson spart dann Diskussionen.

Einkaufsplan-Beispiel: 5-Jahres-Overlay

Jahr PK-Einkauf 3a-Volleinlage (VIAC / finpension) 3a-Nachkauf Gesamt-Abzug
Jahr 1 CHF 30'000 CHF 3'629 (50%) – CHF 33'629
Jahr 2 – CHF 3'629 CHF 7'258 CHF 10'887
Jahr 3 – CHF 3'629 CHF 7'258 CHF 10'887
Jahr 4 – CHF 3'629 CHF 7'258 CHF 10'887
Jahr 5 – CHF 3'629 – CHF 3'629
5-Jahres-Summe CHF 30'000 CHF 18'145 CHF 21'774 CHF 69'919

Bei einem Grenzsteuersatz von 28 % ergibt das eine kumulierte Steuerersparnis von rund CHF 19'577 über fünf Jahre — ohne die laufende Rendite auf den nachgekauften Vorsorgebetrag mitzurechnen. Die PK-Einkäufe kommen dabei typisch zuerst (Jahr 1), die 3a-Nachkäufe folgen über die nächsten drei Jahre.

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Kernregel: Wer mit dem Steuer-Staffelungs-Tool plant, kann grosse Einmal-Einkäufe bewusst staffeln — über 2–3 Jahre verteilt. Pro Jahr fallen dann 3a-Nachkäufe in tieferen Progressionsstufen an, und die kumulierte Steuerersparnis steigt.

Steuerliche Wirkung: wie viel sparst du mit einem Einkauf wirklich?

Die Steuerersparnis durch einen Säule-3a-Einkauf folgt demselben Mechanismus wie die reguläre jährliche Einzahlung: Der eingezahlte Betrag wird vom steuerbaren Einkommen abgezogen, und die Steuerersparnis entspricht dem Einkaufsbetrag × deinem persönlichen Grenzsteuersatz.

Beispiel: Einmal-Einkauf von CHF 20'000, Bruttolohn CHF 110'000, Zürich
Einkauf in die Säule 3a CHF 20'000
Grenzsteuersatz (effektiv, mittlere Progression) ~ 25 %
Steuerersparnis im Einkaufsjahr ~ CHF 5'000
Steuerersparnis auf 5 Jahre kumuliert (gleicher Betrag) ~ CHF 5'000 (Einmal-Effekt)
Zusätzliche Rendite auf Einkauf (5 Jahre typ. VIAC) ~ CHF 4'000–6'000

Im Vergleich zur jährlichen Volleinlage ist der Einmal-Einkauf steuerlich äquivalent — die Steuerersparnis pro einbezahltem Franken ist dieselbe. Der Unterschied liegt in der Wahl des Zeitpunkts: Wann der Einkauf erfolgt, verschiebt die Steuerersparnis auf das gewählte Jahr und damit typischerweise in eine höhere Progressionsstufe (wenn das Einkommen gerade hoch ist).

📌 Vorbezug-Sperre Art. 79b BVG

Wichtig: Art. 79b BVG verbietet den Vorbezug für Wohneigentum während 3 Jahren nach jedem Einkauf in genau dieses 3a-Konto. Wer im Jahr eines Einkaufs Wohneigentum vorbeziehen will, lässt die Steuerersparnis vollständig zurückfordern. Konsequenz: grosses Einkauf nur, wenn kein WEF-Vorbezug in den nächsten 3 Jahren geplant ist.

Häufige Fallen und Sperrfristen beim Einkauf

Einkäufe in die Säule 3a sind steuerlich einer der grössten Hebel — aber nur, wenn du die Sperrfristen und typischen Fallen kennst. Die folgenden sieben Punkte kosten jährlich Tauende von Franken an unnötiger Steuer oder an verpassten Sparchancen:

⚠️
3-Jahres-Sperre ernst nehmen: Vielen Einkäufer ist die 3-Jahres-Sperre nach Art. 79b BVG nicht bewusst. Wenn du Wohneigentum in den nächsten Jahren kaufen oder renovieren willst, prüfe deinen Plan vor dem Einkauf — und verzichte im Zweifel auf einen Einkauf im Jahr vor dem Vorbezug. Lieber jährlich das Maximum einzahlen als ein grossen Einkauf mit 3-Jahres-Lock-Risiko.

10-Punkte-Einkaufs-Checkliste 3a

Die folgenden 10 Punkte decken die typische Einkaufs-Planung ab. Du kannst sie als Vorlage für deine eigene November-Steuerplanung nutzen — oder du holst sie dir druckfertig per E-Mail (siehe Formular weiter unten).

  1. Vorsorgeausweis der Stiftung prüfen — dort steht dein konkretes Nachkaufspotenzial («Vorfinanzierungs- oder Einkaufsmöglichkeit»).
  2. Mit der Stiftung die Einkaufssumme schriftlich bestätigen lassen — die offizielle Bestätigung brauchst du im Steuerjahr.
  3. PK-Einkauf in der Pensionskasse vor 3a-Einkauf prüfen — oft höhere Steuerersparnis pro Franken.
  4. WEF-Vorbezug in den nächsten 3 Jahren? Wenn ja, keinen Einkauf im Jahr davor planen (Art. 79b BVG).
  5. Einkauf staffeln — pro Jahr nicht mehr als ein «Jahresbeitrag-Äquivalent», nie alles auf einmal.
  6. Mehrere 3a-Konten parallel führen — Einkauf auf das Konto ohne Vorbezug-Sperre, andere Konten für Volleinlage.
  7. BVG-Eintrittsalter und Beitragsjahre prüfen — das Maximum berechnet sich ab BVG-Eintritt, nicht ab Erwerbsstart.
  8. Karenzfristen bei Anbieterwechsel beachten — neue Fintechs brauchen 6–12 Monate Vorlauf bis zum Einkauf.
  9. Steuererklärung im Folgejahr — unter «Vorsorgeaufwand» den Einkauf mit Stiftungsbestätigung deklarieren.
  10. Jedes Jahr im November den Einkaufsplan fürs Folgejahr festlegen — und nicht erst im Dezember entscheiden.
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Rechtlicher Hinweis (FIDLEG): Dieser Artikel dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Versicherungsberatung im Sinne des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) dar. Alle Angaben zu Nachkauf-Obergrenzen, Steuerersparnis und Sperrfristen sind indikativ und können sich jederzeit ändern — insbesondere die bundesrätlichen Maximalbeiträge und die Anwendung von Art. 79b BVG. Die effektive Steuerersparnis hängt vom individuellen Einkommen, Kanton, Zivilstand, Kirchgemeinde und der persönlichen Vorsorgesituation ab. Für eine auf deine persönliche Situation zugeschnittene Vorsorge- und Steuerplanung wende dich an eine zugelassene Vorsorge- oder Steuerexpertin.
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